Artenvielfalt und Klimaschutz – wir alle können einen wertvollen Beitrag zu einer lebendigen Pflanzen- und Tierwelt leisten, auch in unseren Gärten. Alle Gärten in Deutschland zusammengenommen haben eine größere Fläche als alle Naturschutzgebiete im Land. Ein Grund mehr, sie insekten- und vogelfreundlich zu gestalten, mit heimischen Blütenpflanzen, Sträuchern, Stauden, Hecken und Bäumen.
Wertvolle Informationen für den Weg zur Artenvielfalt im eigenen Grün gab Birgit Helbig, eine Expertin für naturnahe Gärten, am letzten Samstag bei einem Vortrag im Schmidtbauernhof in Rückersdorf. Auch an Thementischen konnten Neugierige bei der Veranstaltung „Wie die Natur in den Garten kommt“ von Bündnis 90/ Die Grünen in die Gartenwelt eintauchen. Für sie sind Artenvielfalt und naturnahe Lebensräume für Klimaschutz und Lebensqualität ein zentrales Herzensthema, das über 40 Besucherinnen und Besucher anlockte – alle Plätze waren besetzt.
Artenvielfalt im Naturgarten: ein Gewinn für alle
Artenreiche Bepflanzung mit blütenreichen heimischen Pflanzen ist etwas fürs Auge. Sie lockt aber auch Insekten an, die nicht nur Zier-, sondern auch die meisten unserer Nutzpflanzen bestäuben. Obst und Gemüse gibt es nur mit Bienen, Hummeln und Schmetterlingen. Die Krabbler sind selbst Nahrungsquelle für Vögel und Säugetiere und regulieren Schädlinge: Ein einziger Marienkäfer frisst im Laufe seines Lebens etwa 40000 Blattläuse.
Blumenwiesen, Blüten, Früchte, Blätter, Wurzeln und Baumhöhlen bieten Vögeln und Säugetieren eine Lebensgrundlage. Eidechsen lieben Steinhaufen, die sich in der Sonne erwärmen. In Naturteichen wuselt es, Frösche und Fische vertilgen große Mengen an Mückenlarven.
Ein Naturgarten ist ein Lebensraum für Menschen, wildlebende Tiere und Pflanzen und fördert die biologische Vielfalt. Er erneuert sich selbst und ist pflegeleicht, denn seine Pflege wird auf ein ökologisches Mindestmaß reduziert, erklärt Birgit Helbig. Bei der Auswahl der Pflanzen empfiehlt die Expertin, die Wildformen den Zuchtformen vorzuziehen, denn Insekten besuchen die wilden Pflanzen um ein Vielfaches häufiger als die Zuchtpflanzen. Wenn beispielsweise Thymian auf dem Schildchen nur einen „Vor- und Nachnamen“ hat, sei das in der Regel die Wildform. Aber wenn noch ein längerer „blumiger“ Zusatz folgt, sei das meistens eine Züchtung.
Doch ein Naturgarten ist nicht nur im Frühjahr und Sommer ein wichtiges Biotop. Einige Schmetterlingsarten überwintern auch als Eier, Raupen oder Puppe in Pflanzenhalmen, wenn im Herbst nicht alles weggeräumt wird.
Gartenbesitzern und Gartenbauämtern rät Helbig auch dringend, torffreie Erde zu verwenden. Intakte Moore sind bedeutend für die Aufnahme von CO2 aus der Atmosphäre. Leider fallen die meisten von ihnen der Landwirtschaft und dem Torfstich für Gartenerde zum Opfer. Und auch im Garten gilt: Entsiegeln geht vor Versiegeln.
Andrea Gerber
Für den Ortsverband Bündnis 90/ Die Grünen Rückersdorf


Naturnahe Lebensräume für das Dorf
Biologische Vielfalt schafft stabile Ökosysteme, jeder kleine Beitrag wirkt: Schon eine Blumenwiese statt Nutzrasen oder Schotter ist ein großer Gewinn – ohne viel Aufwand. Ein- bis zweimal mähen nach dem Abblühen reicht. Das gilt auch für öffentliches Grün.
Hecken aus gemischten heimischen Gehölzen, wie Holunder, Schlehe und Haselnuss, statt nur Thuja, sind vielfältige Lebensräume. Nur von 1. März bis 30. September ist das Schneiden aus Rücksicht auf Vogelnester und Jungvögel verboten. Bleiben Schnittgut oder ein alter Baumstamm liegen, fördert es keine Schädlinge, sondern Nützlinge. Viel Gewinn mit wenig Aufwand. Jede noch so kleine Fläche zählt!